Oli's Blog

Samstag, 30 Juni 2007

Kastrierte Werbung

Einsortiert unter: Werbung — Oliver @ 22:29

Kennt Ihr diesen Werbespot für Senseo-Kaffeemaschinen? Da sitzt eine ziemlich gut aussehende Frau nachts draußen vor der Terrasse auf einer Klippe und trinkt Kaffee (klar, was soll man auch sonst nachts auf einer Klippe machen). Da setzt sich ein (wahrscheinlich ihr) Mann dazu, schaut in den Sternenhimmel und sieht eine Sternschnuppe. Darauf sagt er zu ihr: ‘Du darfst Dir etwas wünschen’. Bis hierhin wirkt die ganze Szene sehr harmonisch. Nichts läßt darauf schliessen, dass die beiden massive Beziehungsprobleme haben und sich die gutaussehende, nett lächelnde Frau auch schon einen teuflischen Plan ausgedacht hat, der so einfach wie genial ist.  Sie antwortet dem (ihrem) Mann einfach nur ‘hab’ ich schon’ und im nächsten Moment bricht das Stück Felsen, auf dem der (ihr) Mann sitzt, einfach ab und der Kerl ist weg. Man hört zwar keinen Todesschrei, auch kein Aufklatschen oder so, aber trotzdem weiss man, was da passiert ist. Am verschmitzten Lächeln der Frau kann man erkennen, dass der Absturz des Kerls und ihr Wunsch wohl in unmittelbarem Zusammenhang standen und sie auf diesem Weg ihre Beziehnungsprobleme ein für alle Mal gelöst hat. Jetzt kann sie wesentlich zufriedener und glücklicher weiter an ihrem tollen Kaffee nippen.

Na ja, ich will mir hier keine weiteren Gedanken über die Beziehnungsprobleme dieser Frau oder die Qualität des Kaffees machen (oder wie und warum beides zusammen hängt). Worauf ich eigentlich hinaus will ist dies: Heute habe ich denselben Spot seit langer Zeit mal wieder gesehen, er wurde aber inzwischen verändert: Das Ende, wo der Mann mit dem Stück Felsen in die Tiefe stürzt, fehlte einfach. Die Frau sagt zwar ‘hab’ ich schon’, aber danach kommt gleich ihr nettes Lächeln. Kein brechender Felsen, kein fehlender Mann. Der Spot endet genauso friedlich und harmonisch, wie er angfangen hat.

Was haben die sich dabei gedacht? Ursprünglich fand ich diesen Spot ja ganz witzig – obwohl ich mir deswegen bestimmt nie so eine komische Maschine zur Zubereitung von Kaffee aus Teebeuteln (oder waren’s kleine Plastikbecherchen?) kaufen würde. Jeder, der ein bisschen rechnen kann weiss, dass der Kaffee in diesen Mini-Portionen locker mindestens doppelt so viel kostet wie in einem großen 500-Gramm-Pack. Netter Versuch, aber nicht mit mir. Da bleib’ ich lieber bei meiner Espresso-Maschine. Alles in Handarbeit, dauert länger, macht tierisch Krach aber der Kaffe schmeckt halt ein fach besser, wenn das Wasser mit 15 Bar durch das vorgewärmte Pulver gepresst wird.

Aber ich fand’s schon faszinierend, wie man den Inhalt einer Botschaft durch einfaches Weglassen einer Szene so verändern kann. Vorher war der Spot witzig, schelmisch und gemein, jetzt ist er einfach nur noch langweilig… schade eigentlich.

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